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"Ihr seid das Salz der Erde ..." Matthäus 5,13

Leitwort des kirchlichen Messeauftritts an der Igeho von Pfarrer Thomas Schweizer
 



Theologische Bedeutungsfelder

I. Biblische Hintergründe:

Bergpredigt: Die beiden parallel gebildeten Bildworte "Ihr seid das Salz der Erde..., ihr seid das Licht der Welt..." bilden den inhaltlichen Auftakt der Bergpredigt. Voraus gehen diesen Worten die Seligpreisungen, die geprägt sind von Zuspruch und Verheissung. Die Seligpreisungen sind vergleichbar einem Strauss von unterschiedlichen Begrüssungsblumen, der den Anwesenden mit einer Portion Anerkennung für ihre Lebenssituation überreicht wird. Die Zuhörenden befinden sich offenbar in schwierigen, krisengeprägten Lebenssituationen. Sie sind leidgeprüft und werden von Jesus in ihren (teilweise subversiven) Überlebensstrategien bestärkt. Solche Überlebensstrategien sind Sanftmut, gewaltfreie Friedensbemühungen, Ehrlichkeit und Authentizität, Gerechtigkeitsorientierung, etc.

Die Begrüssung ist konsequent ressourcenorientiert ausgerichtet: "Freuen dürfen sich diejenigen, die..., denn sie werden...(Es folgt der Gewinn, der aus dieser Haltung resultiert). Sie wertet die Gefühle der anwesenden Menschen um. Diese fühlen sich im Alltag als Unterdrückte, als Geplagte, als Unfreie, als Ausgenützte, als Opfer. Die Menschen, die Jesus gegenüber sitzen, gehören offenbar nicht zur führenden, leitenden oder herrschenden Schicht der Gesellschaft. Jesus gibt ihnen mit den Seligpreisungen das Gefühl: In euch steckt trotzdem ein unglaubliches Potential! Gerade euer menschliches Verhalten, eure Geradlinigkeit, eure Unkompliziertheit, euer Hunger und Durst nach Gerechtigkeit, all diese Eigenschaften, die durch eure Gottesbeziehung immer wieder erneuert, gekräftigt und stimuliert werden, sind ein "von unten her" Veränderung schaffendes Potential, das zum Gelingen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens wesentlich beiträgt

Nach dieser Empowerment-Einleitung durch die Seligpreisungen geht es zur Sache. Es folgt das grosse "Wie": Auf welche Weise soll das im Alltag umgesetzt werden. Die Antwort Jesu lautet: "Ihr seid Salz der Erde ..... ihr seid das Licht der Welt". Diese beiden Bildworte bilden offenbar das Motto, welches über den nun folgenden Detailanweisungen der Bergpredigt steht. Die Bildworte stellen klar: Es geht bei der Jesusbeziehung nicht in erster Linie um persönliches Seelenheil, sondern um eine neue Form, sich, getragen von der eigenen Gottesbeziehung, in die menschlichen Gemeinschaften unseres Lebensumfeldes einzubringen. In anderen Worten: die beiden Bildworte sind eine Aufforderung zu einem gesellschaftswirksamen und damit auch gesellschaftspolitisch ausstrahlenden Engagement. Von Bedeutung scheint mir dabei, dass Matthäus dafür eine Parallelformulierung wählt.

Die Parallelformulierungen kennen wir in der Bibel vor allem aus den Psalmen. In zwei einander folgenden Einheiten wird der gleiche Grundinhalt mit einem etwas anderen Fokus beschrieben. Die Zuhörer und Zuhörerinnen Jesu wurden also bewusst oder unbewusst an die innere Dynamik der Psalmen erinnert. Psalmen waren für den jüdischen Menschen in erster Linie Befreiungslieder. Sie drückten die Überwindung einer Lebenskrise aus, die mit Hilfe der Gottesbeziehung bewältigt werden konnte. Oft stellte man nachträglich fest, dass der Durchgang durch diese schwierige Lebenssituation zu einer Vertiefung des eigenen Lebens und Glaubens geführt hatte. Jesus stellte seine Rede in den Kontext einer Bewältigungsstrategie, welche die jüdischen Menschen seit mehr als 1000 Jahren mit Erfolg praktiziert hatten.

Mit der Doppelformulierung "Ihr seid das Salz der Erde..., ihr seid das Licht der Welt", löste Jesus also wohl in seinen Zuhörerinnen und Zuhörer das Gefühl aus: Es geht hier um Lebensbewältigung. Es geht um ein Krisenüberwindungs-Engagement. Es geht um Einflussnahme dort, wo Menschen miteinander ihren Alltag verbringen. Es geht aber auch um Vertiefung ("Schärfung") des eigenen, persönlichen Lebens. Der Aufbau der Rede mit dem seelsorgerlichen, sich am Schwierigen im Leben orientierenden Einstieg und den darauf folgenden Verhaltensanregungen für "fortgeschrittene" Jesusfreunde legt nahe, dass es sich bei diesem Abschnitt der Bibel um eine Erinnerung an die Ausbildungscamps handelt, die Jesus offenbar abseits allen Rummels mit denjenigen Menschen durchführte, die ihn als Rabbi (Lehrer) anerkannten.

Bei der Bergpredigt handelt es sich um eine Weiterbildungsveranstaltung für Erwachsene. Sie leitet an, sich in schwierigen Lebensumständen zukunftsgerichtet und lösungsorientiert zu verhalten. Matthäusevangelium: Die vier Evangelisten kamen aus unterschiedlichen Volksschichten. Sie lebten in unterschiedlichen Zeitepochen und hatten ein unterschiedliches Zielpublikum vor Augen. Sie alle lernten von Jesus, dass man den Kern dessen, was man verständlich machen will, in Bildern des all-täglichen Lebens ausdrücken muss, damit man verstanden wird. Da Evangelisten je ein anderes Publikum als Jesus vor Augen hatten und sie sich diesem verständlich machen wollten, erlaubten sie sich, durch Kommentare und leichte Anpassungen der Bilder die Botschaft ihrem Publikum verständlich zu machen.

Matthäus war ein jüdischer Schriftgelehrter, Synagoge erfahren, aus dem Umfeld von Jerusalem. Möglicherweise hatte er Jesus noch selbst erlebt. Wie viele jüdische Lehrer war er gewohnt, pointiert zu formulieren und diese Formulierungen dann in die Diskussionen der Schriftgelehrten einzubringen. Für ihn war klar: Seine Worte waren nur Anstoss zum Nachdenken. Erst durch das Gespräch, durch den Austausch, die Diskussion konnten daraus in der aktuellen Situation gültige Lebensmaximen entwickelt werden. Matthäus bekannte sich zur Tradition der Propheten (5,12b). Für ihn war wichtig, dass Jesus als der gekommene Messias die Verheissungen der Propheten erfüllte.

Er schaffte in vielen Situationen, die er aus dem Leben Jesu beschreibt, einen Bezug zu den Schriften der Propheten. Das Erstaunliche ist, dass das gerade beim Salz-und-Licht-Wort nicht geschieht. Das deutet darauf hin, dass diese Bilder "Salz und Licht" authentisch von Jesus stammen. Matthäus betrachtete sie offenbar als Aspekte der Lehre Jesus, die nicht schon in den Verheissungen angekündigt, sondern durch ihn selbst in Auseinandersetzung mit der Umwelt, in welcher er lebte, entwickelt wurden. Offenbar hatten diese Bilder im ersten christlichen Jahrhundert eine besondere Kraft, Wegweisung für das Verhalten in den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen zu geben. Vergleich mit andern Evangelien: Auch die Tatsache, dass auch die Evangelisten Markus und Lukas von einem Salz-Wort Jesu berichten, deutet darauf hin, dass das Bild authentisch aus Lehrer-Reden von Jesus überliefert wurde.

Interessant sind die Nuancierungen der Texte in den unterschiedlichen Evangelien: Markus, der die Jesusgeschichten einiges früher als Matthäus sammelte und aufschrieb, formuliert so: "Habt Salz in Euch und haltet Frieden untereinander" (Mk 9,50). Er lässt keinen Zweifel offen, dass er beim Salz-Wort die Gewinnung von Salz aus Meerwasser vor Augen hat. Die Verdunstung des Wassers wurde damals vielerorts über dem Feuer beschleunigt (Markus 9,49). Der Arzt Lukas aus der heutigen Südtürkei, der einige Jahrzehnte später aus grösserer Distanz die Jesusgeschichten aufschrieb, nimmt diesen Aspekt nicht auf und schenkt dem ressourcenorientierten Ansatz keine Bedeutung (Luk 14,34f).

Er hat nur noch den bedrohlichen Verlust der Salz-Kraft im Auge. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass er in einer Gegend lebte, wo in grossen Mengen Erdsalz gefördert wurde. Salz war für ihn ein wichtiges Handelsgut, hatte aber den Aspekt des kostbaren Schatzes, welcher schon in Kleinstmengen seine Wirkung entfaltet, verloren. Lukas rückt den Aspekt der Qualität, der Würzigkeit des gesamten Salzes in den Vordergrund. Er will damit wohl die Gemeinden Kleinasiens in ihrem politisch schwierigen Umfeld dazu auffordern, als Christengemeinschaft solidarisch eine ge-ellschaftskritische Subkultur zu verwirklichen, auch wenn das rechtliche Folgen haben sollte. Der Evangelist Matthäus orientierte sich wohl an Markus. Die Gewinnung des Salzes spielt zwar bei ihm keine Rolle mehr. Andererseits macht er das Salz-Wort zu einem entschiedenen Imperativ. Er schreibt dem Salz mehrschichtige Symbolkraft zu. Wie bei Markus drückt das Salz-Bild bei Matthäus eine heilende Interaktion zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft aus.

Der Schluss liegt nahe, dass die Formulierungen von Markus und Matthäus wohl näher an der Bedeutung der Inhalte liegen, die Jesus vermitteln wollte. Markus bringt das Salz-Wort mit dem Begriff "Schalom" in einen Zusammenhang. Schalom wird in der deutschen Übersetzung mit dem Wort "Friede" wiedergegeben. Das hebräische Schalom ist in seiner Bedeutung breiter als unser Wort "Friede". Es bezeichnet alles, was zu einem gelingenden Leben und zu einer gelingenden Lebensgemeinschaft der Menschen beiträgt. Wir müssen also annehmen, dass Jesus mit dem Salz-Wort drei inhaltiche Ebenen ansprach: 1.) Voraussetzung dafür, "Salz der Erde" zu sein, ist der Hunger nach einer lebendige Beziehung zu Gott. Sie schafft Ressourcen, indem sie frei macht von Zwängen und Abhängigkeiten des oft fremdbestimmten gesellschaftlichen Lebens. In der Nachfolge Jesu wird diese Gottesbeziehung eingeübt. 2.) Salz wird als Bild für den Beitrag der Christen gebraucht, der zu einem gelingenden Leben und zu einer gelingenden Lebensgemeinschaft unter den Menschen beiträgt. 3.)

Eine Gottesbeziehung nur für das private Seelenheil ist für Gott wertlos, ist Salz, das seine Würzkraft verloren hat(Matth. 5,13b). Gottes Kraft findet in dem Masse Zugang zu einem Menschen, in dem er sich für den "Salz"-Einsatz in den menschlichen Gruppierungen seiner Lebensumgebung bereit hält. "Ihr seid das Salz der Erde" bedeutete wohl für Jesus: Ihr trägt das Potential in euch, in eurer Lebensumgebung wesentliche Impulse zu einem gelingenden Leben beizutragen.
 


II. Hermeneutische Aspekte, die für den Messeauftritt von Bedeutung sind

Im Bezug auf den kirchlichen Auftritt an der Fachmesse Igeho lautet unsere Leitfrage: Wie kann unser "Salz"-Beitrag aussehen, damit er einerseits der biblischen Botschaft gerecht wird und andererseits in den Arbeitsalltag der Messebesucher hinein spricht? In den folgenden Kurzkapiteln gehe ich den biblischen Inhalten der Salzbotschaft nach und versuche, eine Verbindung zu unserer Messearbeit zu schaffen.

1.) Salz als Boden/Meeresschatz: Salz war zu Jesu Zeiten ausserordentlich kostbar. Die schwierige Gewinnung des Salzes und die langen Transportwege machten das Salz teuer und im internationalen Handel begehrt. Die Salzgewinnung aus Meerwasser kannte man schon früh. In den Anfängen der Salzgewinnung liess man das Wasser in künstlichen Becken verdunsten. Später verdampfte man das Meerwasser über dem Feuer. Durch ein kompliziertes Verfahren konnte das Salz vom Schlamm getrennt werden. Das so gewonnene Salz enthielt neben dem Natriumchlorid noch ca. 5% andere vitalitätsfördernde Salze, sowie diverse lebenswichtige Spurenelemente (Mangan, Zink oder Kupfer). Es galt als Lebenselixier der Ernährung. Israel hatte einen grossen Vorteil. Die natürlichen Salzreservoire im Toten Meer und die Hilfe der Sonnenenergie bei der Salzgewinnung machten das Salz zu einem Exportgut erster Güte. Salz war zugänglich aber teuer. Es war ein Schatz, den man wegen der hohen Nachfrage teuer verkaufte, um sich damit andere Güter zu erhandeln.

2.) Salz als Hilfsstoff im Ernährungskreislauf: Salz war immer schon Hilfsstoff in der Küche, beim Fischen, in der Landwirtschaft. Das Umfeld unseres Textes legt nahe, dass Jesus wohl direkt vom See Genezareth kam, wo er seine ersten Anhängerinnen und Anhänger angeworben hatte. Es ist anzunehmen, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer Jesus vor allem Fischer, Landwirte und Hausfrauen waren. Fischer brauchten das Salz zum Haltbarmachen der Fische. Landwirte machten mit ihm Fleisch, Käse und Oliven haltbar. Diese Nahrungsmittel garantierten im damaligen Israel, zusammen mit dem Salz, ein gesundes Überleben in Kälte- und Dürrezeiten. Hausfrauen brauchten das Salz in Kleinstmengen für Suppen, für die Zubereitung von Fleisch, Fisch und Brot und für das Haltbarmachen von Vorräten. Eine besondere Funktion hatte das Salz bei der Entbitterung von Oliven. Oliven ab Baum sind kaum essbar. Sie müssen durch die Einlage in eine Salzlake einem wochenlangen Entbitterungs-Verfahren unterzogen werden. Da Oliven eine zentrale Rolle in der Ernährung der Hebräer spielten, kann es gut sein, dass für Jesus das Entbittern von Oliven und damit die Veredelung des Olivenöls, welchem im Haushalt, aber auch in den religiösen und politischen Riten eine zentrale Rolle zukam, im Salz-Bild mitschwang. Überträgt man das Salz-Bild unter diesem Gesichtspunkt, gibt Jesus seinen Freunden die Zuversicht: Weniges reicht, um das Zusammenleben mit den Menschen um euch "geniessbar" zu machen. Das Wenige entsteht in der Auseinandersetzung mit meinen Worten und meinem Lebensstil, in denen es im Kern um Lebenstüchtigkeit und ein versöhntes Miteinander geht. So (mit Liebe) gesalzene Gemeinschaft wird zur Alltagsnahrung der Seele, auf die alle Menschen angewiesen sind. Salz zu sein inmitten von andern Menschen heisst, die menschliche Gemeinschaft zu entbittern (zu versöhnen). Das ist zwar ein aufwändiger Prozess und braucht Geduld. Aber auch wenn ihr manchmal nicht sofort Erfolge seht, könnt ihr gewiss sein, dass euer Engagement eine gute Vorsorge ist für Krisenzeiten.

3.) Salz - im richtigen Mass lebensfördernd Unser Körper kann Natrium und Chlorid, die beiden wichtigsten Salzbestandteile, nicht selbst herstellen. Er benötigt sie aber, um Gewebespannungen und den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren, um Nerven und Muskeln anzuregen oder Eiweiss zu verdauen. Fünf bis sieben Gramm Salz braucht der Mensch täglich. Mehr ist ungesund und wirkt giftig auf den Körper. Israel hatte in meernahen Gebieten das Problem, dass durch den starken Windeinfluss (Gischt) Böden in den fruchtbaren Küstengebieten zu viel Salz zu erhalten drohten. Dieser Gefahr begegnete man mit Hecken und Windbrecher-Baumreihen. Übersalzene Böden brachten nur noch kleine Erträge. Salz ist ein Vitalstoff, bei dem das richtige Mass eine zentrale Rolle spielt. Jesus fordert seine Freunde nicht auf, all ihre spirituellen und mentalen Kräfte in das Engagement am Arbeitsplatz und in die gesellschaftlichen Gruppierungen zu stecken und sich dabei zu überfordern. Er spricht ihnen vielmehr zu: So wie ihr jetzt sucht, lebt, lernt und euch engagiert (siehe Inhalte der Seligpreisungen), so seid ihr Salz der Erde. Es braucht nicht viel, nur das richtige Mass, nur eine Prise Salz, damit eine Suppe geniessbar wird. Es braucht nicht viel, nur euer Leben aus der alltäglichen Gottesbeziehung heraus, welches die Gruppen, in denen ihr euch bewegt, befruchtet, fördert, verändert. Jesus fordert also nicht zu einem ethischen Aktivismus heraus, sondern zu einer neuen Ehrlichkeit, das umzusetzen im gesellschaftlichen Leben, was man in seiner eigenen Gottesbeziehung verstanden, geschenkt bekommen und erkannt hat.

4.) "Ihr seid....": Die Formulierung "Ihr seid das Salz...." erinnert an die beim Evangelisten Johannes oft erscheinenden Ich-Bin-Worte Jesu. Offenbar dachte Jesus dialogisch: Er ging davon aus, dass seine Kompetenzen (ich bin) durch die Kompetenzen der Menschen (ihr seid) ergänzt werden müssen, damit sich die menschliche Gemeinschaft nach und nach verändern kann. Salz und Licht zu sein, ist also immer im Kontext zu dem zu sehen, was Jesus durch sein Engagement schon geleistet hat. Es ist eine (notwendige) Ergänzung, die das Angebot Gottes für die Welt der Menschen vervollständigt. In der Bibel erscheinen diese Formulierungen meist dann, wenn es um die göttliche Qualität oder die göttliche Potenz in Menschen geht. Die Ich-Bin-Worte drücken die göttliche Potenz Jesus aus, die Ihr-Seid-Worte die göttliche Potenz der Menschen. Salz und Licht sind in diesem Sinn Wirkungen des Heiligen Geistes in uns Menschen. Wir müssen sie nicht selbst machen, sondern uns für ihr Wirken in uns offen halten. Salz und Licht zu sein, ist nicht Glaubenspflicht, sondern Entfaltung unserer Beziehung zu Gott, Kür unserer Freundschaft zu Gott und seinen Geschöpfen.

¨5. ) Bildworte, Metaphern, Gleichnisse Jesus spricht in Bildworten, Metaphern und Gleichnissen. Um sich verständlich zu machen, wählt Jesus oft erlebte Szenarien aus dem Alltag seiner Gesprächspartnerinnen und Partner. Mit ihrer Hilfe verdeutlicht er zentrale Aspekte seines Anliegens. Salz und Licht sind solche Bildworte. Sie stammen aus dem Lebensumfeld der Menschen, die Jesus gegenüber sitzen. Jesus nutzt ihre Vieldeutigkeit, um ein Bedeutungsfeld in den Blick zu bekommen, ohne Lösungen klar festzulegen. Er will, dass seine Gegenüber selbst noch denken müssen. Sie sollen sich ihre konkreten Lösungen für den persönlichen Alltag selbst entwickeln. Es soll schlussendlich ihre eigene Entscheidung und ihre eigene Verantwortung sein, wie sie das Verstandene im persönlichen Umfeld umsetzen. Gleichnisse, Metaphern und Bildworte lassen vieles offen. Es geht Jesus darum, dass die Menschen um ihn mündig werden, dass sie selbst verantwortlich zu denken beginnen, dass sie im Dialog ihr Leben, Denken und Handeln weiter entwickeln.

6.) Salz der Erde: Im Aramäischen und im Hebräischen ist das Wort Erde gleichbedeutend mit der Gemeinschaft der Menschen (Menschheit). Weil anzunehmen ist, dass Jesus Aramäisch sprach, löste sein Wort in seinen Zuhörerinnen und Zuhörern darum gleichzeitig drei Assoziationen aus:

a) die Erinnerung an Salz, das aus der Erde gewonnen wird (und in Israel besonders kostbar weil selten war)
b) die Tatsache, dass dieses "Salz-Sein" in der Mitte der Menschen mitten in der eigenen Umgebung stattfindet
c) eine Erinnerung an die Schöpfungsgeschichte: An das Paar im Garten Eden. Es erinnerte an die Urgemeinschaft mit Gott, an die Ressourcen, die bei Gotte zu holen sind, aber auch an die Aufgabe, beim Weiterentwickeln der Schöpfung mitzudenken. Es erinnerte daran Mitschöpfende zu sein, Spiegelbild Gottes. (In der Schöpfungsgeschichte erscheint das Wort personifiziert in Adam, dem Urmenschen, der von Gott das Privileg erhält, inmitten seiner Schöpfung zu leben.)

7.) Ihr.... : Jesus spricht in der Bergpredigt seine Gegenüber als Gruppe, als Team an. Wir können davon ausgehen, dass er die Pronomen "ich" und "wir", "du" und "ihr" bewusst wählt. Wenn er einen einzelnen Menschen meint, ist seine Botschaft in eine Zweiergeschichte verpackt (z. B. Begegnung mit dem reichen Jüngling). An der starken Betonung der Jünger als "Gruppe der 12" im Matthäusevangelium sehen wir, dass für Matthäus das Team/ die Gruppe im Heils-plan eine Sonderstellung einnimmt. Er hebt darum hervor, dass Jesus zu diesen Menschen als Team sagte: "Ihr seid das Salz der Erde." Das Wort geht an die ganze Arbeitsgruppe, mit der Jesus unterwegs ist. Nicht von ihm allein, nein vom ganzen "Nachfolgerteam" gemeinsam hängt der Erfolg seiner Mission ab.

   
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